Fuchs

Generationenübergreifende Haftung im Alten Testament

Mohr Siebeck

ISBN 978-3-16-200224-2

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Bibliografische Daten

Fachbuch

Buch. Softcover

2026

Umfang: 510 S.

Format (B x L): 15.5 x 23.2 cm

Verlag: Mohr Siebeck

ISBN: 978-3-16-200224-2

Weiterführende bibliografische Daten

Das Werk ist Teil der Reihe: Forschungen zum Alten Testament 2. Reihe

Produktbeschreibung

The Old Testament contains diverse texts addressing the question of intergenerational liability. Some appear to presuppose collective liability, while others reject it and call for individual liability. This observation raises the question of how the respective concepts, texts, and theological conceptions of God relate to one another. Rahel Fuchs engages in this complex field of inquiry and takes up what earlier scholarship termed "family or clan liability." In doing so, she fills a gap in research, since the topic in its complexity has thus far received little attention, has been limited to individual texts (especially Ezek 18), or has focused primarily on the liability of political entities. The author first surveys three major trajectories in the history of research, identifying key insights and open questions: the history of research on the deed-consequence nexus which emerges as an underlying structure of the texts; the debate concerning the relationship between the individual and the collective; and discussions of collective guilt and collective liability. Following a criteria-based selection of texts and a definition of central terms, the main body of the study analyzes the key texts: Exod 20:5-6; Deut 5:9-10; Exod 34:6-7; Num 14; and Jer 32:16-25 on the side of the so-called collective liability texts, and Ezek 18; Jer 31:29-30; Deut 24:16; and Lam 5 on the side of the individual liability texts. Through contextual analysis, literary criticism and redaction criticism, examination of linguistic structures, and comparison with parallels, the profile of each text is delineated. At the conclusion of each analysis, the respective "portrait of guilt and liability" is drawn at the level of the final form of the text, within its compositional history, and in comparison with parallels. Because comparison at times reveals striking similarities in key formulations, possible lines of dependence are examined and source and recipient texts identified. Rahel Fuchs ultimately resolves the apparent conflict between the two groups of texts perceived in scholarship. Texts advocating collective liability and those advocating individual liability are not irreconcilably opposed; rather, together and each in its own way they depict intergenerational liability in the Old Testament. A significant role is played by the verb ??? (pqd), traditionally rendered "to visit" (in the sense of "to visit with punishment"). A close examination of its semantic range, predominant usage, and immediate contexts in these passages, however, suggests that the translation "to examine" is preferable. This translational adjustment has important implications for the interpretation of the relevant formulations. In a further section, the study broadens its perspective beyond the Old Testament to ancient Near Eastern texts. A corpus of approximately 160 relevant passages is examined, analyzed, and compared with the Old Testament tradition. It becomes evident that the role attributed to the king in ancient Near Eastern texts is assumed by God in the Old Testament. Neither in Old Testament nor in ancient Near Eastern texts can a consistent correlation be established between a particular form of liability and a second factor (such as temporal setting, type of offense, political context, genre, or intellectual-historical background). Within the Old Testament, moreover, certain texts work through Israel's experience of exile through their struggle with collective and individual liability.
Im Alten Testament begegnen unterschiedliche Texte zur Frage nach generationsübergreifender Haftung. Einige scheinen Kollektivhaftung vorauszusetzen, andere lehnen diese ab und fordern Individualhaftung. Diese Beobachtung lässt fragen, wie sich die Konzepte, Texte und jeweiligen Gottesbilder zueinander verhalten. Rahel Fuchs widmet sich diesem Problemfeld und geht dem nach, was die bisherige Forschung „Familien- oder Sippenhaftung" nannte. Damit schließt sie eine Lücke in der Forschung, denn bislang kam dem Thema in seiner Komplexität nur wenig Aufmerksamkeit zu, wurde auf einzelne Texte beschränkt (v. a. Ez 18) oder auf die Haftung politischer Verbände konzentriert. Es werden zunächst drei Forschungsgeschichten rekapituliert, Erkenntnisse und offene Fragen festgehalten: die Forschungsgeschichte zum Tun-Ergehen-Zusammenhang, der als Struktur hinter den Texten zutage tritt, die zur Frage nach dem Verhältnis von Individuum und Kollektiv und die zu Kollektivschuld und haftung. Nach einer kriteriengeleiteten Textauswahl und einer Definition der Kernbegriffe („Schuld", „Haftung", „Generation", „individuelles und kollektives Denken") stehen im Hauptteil der Arbeit die zentralen Texte im Zentrum: Ex 20,5-6; Dtn 5,9-10; Ex 34,6-7; Num 14 und Jer 32,16-25 auf der Seite der sogenannten Kollektivhaftungstexte sowie Ez 18; Jer 31,29-30; Dtn 24,16 und Klgl 5 auf der Seite der Individualhaftungstexte. Mithilfe der Kontextanalyse, der Literarkritik und Redaktionsgeschichte, der Untersuchung der sprachlichen Strukturen und des Vergleichs mit Parallelen wird das Profil der Texte herausgearbeitet. Am Ende der Untersuchungen wird jeweils das „Bild von Schuld und Haftung" im Text gezeichnet (auf Endtextebene, im Entstehungsprozess des Textes, im Vergleich mit Parallelen). Da der Vergleich der Texte mitunter eine starke Ähnlichkeit zwischen wichtigen Formulierungen zeigt, werden mögliche Abhängigkeitsverhältnisse geprüft und Geber- und Nehmertext identifiziert. Nach der Untersuchung der Texte kann das von der Forschung empfundene Gegeneinander der Textgruppen aufgelöst werden. Kollektiv- und Individualhaftungstexte stehen sich nicht unvereinbar gegenüber, sondern zeichnen zusammen und jeweils auf eigene Weise das Bild generationsübergreifender Haftung im Alten Testament. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Verb ??? (pqd), das klassisch mit „heimsuchen" wiedergegeben wird. Eine Untersuchung der Bedeutungsspektren, der häufigsten Verwendung sowie der Kontexte, in denen das Verb hier begegnet, legt indes eine Übersetzung mit „prüfen" nahe. Die Anpassung der Übersetzung hat Konsequenzen für die Interpretation der Formulierungen. In einem weiteren Teil der Arbeit wird der Blick über das Alte Testament hinaus auf altorientalische Texte gerichtet. Dafür wird eine Sammlung von ca. 160 Textpassagen zum Thema vorgestellt, ausgewertet und der alttestamentlichen Überlieferung gegenübergestellt. Es zeigt sich u.a., dass die Rolle, die in altorientalischen Texten dem König zukommt, in alttestamentlichen Texten Gott einnimmt. Sowohl in alttestamentlichen als auch in altorientalischen Texten lässt sich keine Korrespondenz zwischen einer Haftungsform und einem zweiten Aspekt (Zeit, Delikt, politischer Kontext, Gattung, geistesgeschichtlicher Hintergrund) ausmachen. Im Alten Testament zeigt sich, dass einige Texte mit dem Ringen um Kollektiv- und Individualhaftung die Exilserfahrung Israels verarbeiten.

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Hersteller

Jana Trispel

Wilhelmstraße, 18
72074 Tübingen, DE

trispel@mohrsiebeck.com

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